Tanja Rösler

Migräne – der ungebetene Gast

Flimmern vor den Augen, Übelkeit, Heißhunger, Stimmungsschwankungen. So vielfältig wie die Vorboten beim Krankheitsbild Migräne, sind die Attacken selbst. Rund jeder Zehnte in Deutschland ist Betroffen und nicht selten bestimmt die Krankheit Alltag und Lebensqualität. 

Genau diese Komplexität des Krankheitsbildes verdeutlicht, dass auch deren Heilung bzw. Linderung so individuell sein kann wie der Mensch an sich. Was dem einen hilfreich, lindert beim anderen nicht einmal; bewirkt vielleicht sogar das Gegenteil. 

Kaum eine Erkrankung wird von der Gesellschaft, und oft leider auch von Betroffenen, so auf die leichte Schulter genommen wie die Volkskrankheit Migräne. Schließlich hat jeder einmal Kopfschmerzen. Halt! Nicht so oberflächlich! Nur wer den Schmerz kennt und weiß, wie dieser die einfachsten Handlungen des Alltags einschränkt, kann nachfühlen, wie die Krankheit die Lebensqualität beeinflusst. Doch Jammern nützt niemandem. Und ein Heilmittel gibt es bislang noch nicht. Daher ist es umso wichtiger, sich genau mit der eigenen speziellen Art der Migräne auseinander zu setzen und vor allem deren Auslöser(n) auf die Spur zu kommen. Denn in den meisten Fällen gibt es mehr als einen Zünder. Oft ist es die Kombination aus vielen verschieden Reizen. Visuelle, neurologische, genetische oder allergische Reaktionen können sich quasi zu einer Ursachenquelle vermischen und entweder mit oder ohne Aura das Fass zum Überlaufen bringen. Übrigens, fast jeder Attacke geht eine Aura voraus, doch nur wer sich genau mit seiner Migräne auskennt und sich selbst genau beobachtet kann sie erkennen. Denn oft tarnt sich die nächste Attacke perfekt in unserem reizüberfluteten Alltag. Sie kommt als Heißhunger daher oder mit schlechter Laune. Klingt nach PMS? Kann sehr gut sein, denn Hormonschwankungen können ebenso ein Ursprungsquell sein wie Zucker, Kakao, Koffein oder mehr. 

Die Macht der Nahrungsmittel ist nicht zu unterschätzen. In vielen Fällen kann der Verzicht auf den Übeltäter schon helfen. Doch Geduld! Das passiert nicht von heute auf morgen. Der Körper braucht von wenigen Wochen bis zu drei bis vier Monaten um sich umzugewöhnen. Und das auch nur, wenn nach langer Detektivarbeit der oder die Täter gefunden wurden. 

Auch für  mich war ein Leben mit Migräne schon fast zur Normalität geworden. Meine Familie litt darunter mindestens genauso wie ich, denn Urlaubstage und wichtige Veranstaltungen wurden nur zu oft von meiner Migräne beeinträchtigt. Ich hatte schon viel ausprobiert – außer Triptane. Das sind sehr starke Schmerzmittel, die zwar dem körpereigenen Botenstoff Serotonin ähneln, aber natürlich nicht die Ursache bekämpfen, sondern lediglich die Symptome lindern können. Triptane sind gefässverengende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkstoffe, welche für die Akutbehandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura eingesetzt werden. Ich trug die vom Arzt verschriebene Packung zwar bei mir, habe sie aber nie genommen, weil es sich einfach nicht richtig anfühlte. Intuitiv wusste ich, dass es sich bei mir (damals war ich 45) um eine Kombination aus Hormonstatus und Ernährung handeln musste. Ich verzichtete NACHEINANDER auf alle bekannten Übeltäter: Schokolade, Zucker, Käse, Laktose, reife Früchte, Koffein. Bewegung hatte ich durch Hund und Pferd sicher genug, Fleisch aß ich damals schon viele Jahre nicht mehr, Alkohol trank ich keinen. Nach langer einsamer Detektivarbeit – damals kannte ich die Migräneagentin leider noch nicht – bin ich nun seit fast einem Jahr migränefrei. Jetzt hört sich alles so einfach an: ich verzichte auf Industriezucker UND Koffein – ja, es war anscheinend genau diese Kombination, die meiner Migräne den Garaus macht. Außerdem ergänze ich meine Ernährung um Proteine und Mineralstoffe. Allen voran Magnesium. 

Das Tückische an der Migräne ist, dass man sie den Betroffenen meist nicht ansieht. Sie hat, gerade im Berufsleben, gerne einen Touch von Unglaubwürdigkeit. Nicht selten wird sich sogar darüber lustig gemacht, weil sie landläufig als häufige Ausrede bei sexueller Unlust gilt. Für Migränepatienten ist es ein Spießrutenlauf. Denn spätestens seit bekannt ist, dass auch Stress ein häufiger Auslöser für einen Anfall ist, macht es die ohnehin schon Geplagten noch anfälliger, wenn sie von der Gesellschaft nicht erst genommen werden. Von daher gilt es, dieser Krankheit mehr Aufmerksamkeit zu schenken und – wie bei vielen andern auch – mehr Ursachenforschung zu betreiben. Im ersten Schritt ist es wichtig, sich selbst bestens kennen zu lernen und nachsichtig zu sein. Mit viel Geduld und Unterstützung ist dann ein Leben ohne Migräne in greifbarer Nähe. 

Wie auch schon im Artikel zum Thema Pflege, habe ich auch rund um Fragen zur Migräne einen hilfreichen Instagram Kanal kennen lernen dürfen.

  Sinem Sommer aka Migräneagentin hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Migräne gemeinsam mit den Betroffenen auf den Grund zu gehen. Dazu analysiert sie Laborwerte und andere Gesundheitsdaten, bezieht die individuelle Lebenssituation mit ein und findet einen Weg raus aus dem ewigen Kreislauf der wiederkehrenden Migräneattacken.

Sie produziert regelmäßig hilfreichen Content und hat schon zahlreiche Betroffene auf dem Weg zu mehr Lebensqualität begleitet.

Eine unsichtbare Erkrankung zu haben bedeutet nicht, dass du dich anderen erklären musst. Es bedeutet nur, dass du stärker für dich selbst einstehen musst. Weißt du, was die wichtigsten Worte sind, die du einer Person mit einer unsichtbaren Erkrankung sagen kannst: ICH GLAUBE DIR.

Sinem Sommer – @migräneagentin