Spannung, Spitzensport und jede Menge Abschiede. Das war der CHIO Aachen 2022 …

Melancholie lag in der Luft der Aachener Soers, denn viele Aktive, Journalisten und Mitarbeiter wussten, dass es für quasi eine Handvoll Verantwortliche der letzte CHIO sein würde. Doch dazu später mehr …

Deutsche Reiter hatten Grund zum Jubeln

Zunächst sollen natürlich die sportlichen Highlights im Vordergrund stehen. Und da gab es jede Menge Grund zur Freude bei den deutschen Reitern. 

  • Sieg im Nationenpreis am Donnerstagabend (unter Flutlicht)
  • Sandra Auffarth gewinnt die Geländeprüfung am Samstag
  • Sensationssieg für Gerrit Nieberg und seinen Ben im Großen Preis am Sonntag vor ausverkauftem Haus

Und das sind nur einige wenige der Prüfungen, die im Laufe des zehntägigen Turniers ausgetragen wurden. Alle Ergebnisse gibt es hier.

Über 350 Tausend Zuschauer

In der Zeit vom 24. Juni und dem 3. Juli waren 356.800 Zuschauer zu Gast beim Weltfest des Pferdesports in Aachen. 

Zur offiziellen Eröffnungsfeier kamen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Prominente, die der Einladung von Lambertz Chef Hermann Bühlbecker nur allzu gerne Folge leisteten. Mit dabei nicht nur Größen des Pferdesports sondern Gesichter aus Sport, Politik, Musik und Literatur. So bunt gemischt wie auch das Teilnehmerfeld der Aktiven. Über 300 Reiter aus rund 32 Nationen waren zu Gast und brachten ca. 900 Pferde mit. Da kann man sich vorstellen – oder eben deshalb auch nicht – was der CHIO alljährlich für eine logistische Meisterleistung ist. 18000 Kilo Hafer, 18000 Kilo Heu, 1500 Ballen Stroh, 600 Ballen Späne, 800 Hindernisstangen, 230 Aussteller in der Einkaufsmeile (sechs Wochen vor Veranstaltung wird mit dem Aufbau begonnen), 70 Köche und 20 Patissiers, außerdem 358.310.400 Hauptdarsteller im Springstadion – die Grashalme des heiligen Rasens.

Eine Sensation: Gerrit Nieberg und Ben gewinnen den Großen Preis

Seit Jahrzehnten ein Highlight beim CHIO Aachen ist der Große Preis am Finaltag. Hier wird Reitsportgeschichte geschrieben – und in diesem Jahr ganz besonders. Der 29-jährige Springreiter Gerrit Nieberg aus Sendenhorst gewinnt den hoch dotierten Rolex Grand Prix mit einem sensationellen Ritt vor Scott Brash und Nicola Philippaerts. „Ich kann es selbst noch nicht glauben“, sagt der Sohn von Reitsportlegende Lars Nieberg bei der Pressekonferenz. Und auf sein Pferd Ben angesprochen sagt er mit zitternder Stimme: „Ich bin ihm unendlich dankbar.“

Dreimal TSCHÜSS – ein CHIO der Abschiede

Nach dem Newcomer in der Soers kommen wir zu den Abschieden. Gleich drei wurden 2022 offiziell begangen und durften den Applaus im vollen Stadion genießen. Beginnen wir mit den Zweibeinern. Christian Graf von Plettenberg hat das Aachener Publikum seit 31 Jahren vom Richterturm aus als Stadionsprecher informiert und bestens unterhalten. Zum Abschied sagte er: „Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf viele spannende, berührende Momente, freundschaftliche Begegnungen mit wunderbaren Menschen und einzigartigen Pferden zurück. Es war eine schöne Zeit.“

Mr. CHIO sagt DOEI

Auch für MR. CHIO, den Turnierleiter Frank Kempermann, war es der letzte CHIO Aachen in dieser Funktion. Ab Herbst wird er in den Aufsichtsrat wechseln. Doch zuvor gab es noch einen würdigen Abschied für den beliebten Chef. Im Rahmen des Abschieds der Nationen (eine Tradition, wie es sie nur beim CHIO Aachen gibt) wurde der Niederländer Frank Kempermann auf seinem geliebten Fahrrad durch die Soers kutschiert. Vorbei an voll besetzten Rängen mit  Zuschauern, die ausnahmsweise mit orangen statt weißen Taschentüchern winkten. Begleitet von den Klängen des holländischen Ohrwurms Kedeng, Kedeng machte er sich auf die letzte Runde durch sein geschäftliches „Zuhause“. 

CIAO BELLA (Rose)

Noch emotionaler war nur der Abschied von Isabell Werths Wunderstute Bella Rose, die sie mit einer eigenen Gala im Dressur Stadion aus dem großen Sport entließ. „Ich kann nicht sagen, was es mir bedeutet, Bella mit dieser Würde und in dieser Form hier verabschieden zu können“, sagte Isabell Werth sichtlich gerührt. Sie ihre Stute hatten noch einmal ihre Kür, mit der sie vor drei Jahren des Großen Dressurpreis von Aachen gewonnen hatten. Bei den Klängen zu FREUDE SCHÖNER GÖTTERFUNKEN blieb auch bei den Zuschauern kaum ein Auge trocken.

CHIO Aachen 2023

Auch im nächsten Jahr wird sich der CHIO Aachen wieder voller Emotionen, Spannung und Höchstleistungen präsentieren. Wer dabei sein möchte, sollte sich die Zeit vom 23. Juni bis 2. Juli 2023 freihalten. Denn da gibt es ein Wiedersehen mit internationalen Superstars der Szene, Newcomern, mehreren hundert Ausstellern und sicher wieder viel Prominenz aus Sport, Unterhaltung und Social Media.