Ein Abend mit Roland Kaiser

Ein Gentleman mit Zuversicht

Foto: Marcel Brell

Es ist ein kalter, regnerischer Abend in Düsseldorf. Die Ordner rund um um den PSD BANK DOME sind mit Regenjacken und Leuchtstäben ausgerüstet, um die Fahrzeuge aus allen Teilen der Republik zu dirigieren. Menschen laufen im Stechschritt, gebückt unter Regenschirmen dicht an der Arena entlang. Einige singen, andere reden. „Ich kann es nicht glauben, in einer halben Stunde sehen wir ihn live.“ „Hoffentlich singt er wieder das Lied mit den Gesichtern.“ „Ich weiß genau, dass es dir gefällt.“ Und zwischendurch immer wieder (meist Frauen) die sich schon vor der Halle in den Armen liegen und schmettern: „WARUM HAST DU NICHT NEIN GESAGT“.

Ich sehe Roland Kaiser zum ersten Mal live. Vor zwei Jahren durfte ich ihn als Autor auf der Buchmesse kennen lernen und schon damals hat mir seine unaufgeregte, charmante Art äußerst gut gefallen. Doch so ein Gentleman als Stimmungsmacher? Zugegeben, ich bin skeptisch. Doch was ich dann drei Stunden lang erleben darf, ist Unterhaltung der Extraklasse. 

Pünktlich auf die Minute erlischt das Licht in der nahezu ausverkauften Arena und der Vorhang geht auf. Roland Kaiser macht kein großes Bohei, er steht schon auf der Bühne und das Publikum rastet aus. Einfach so. Die Präsenz des Künstlers füllt die Arena und die Herzen der Menschen fliegen dem 70-Jährigen zu. Allein wie er dort steht. Maßanzug, Krawatte, Einstecktuch – passend zum Innenfutter des Sakkos. Sein Gesicht erscheint in Großformat auf dem Bildschirm und seine Zügen sprechen Bände. Keine Spur von Aufregung. Kaiser wirkt gerührt, dankbar und anerkennend. Ob er weiß, wie viele nasse Schirme unter den Stühlen liegen und wie beschwerlich der Weg für einige Fans gewesen ist? Ich bin sicher, die Antwort ist JA. Die Band stimmt die ersten Töne an und wer bisher noch nicht aufgesprungen ist, tut es jetzt. Was dann folgt sind drei wundervolle Stunden mit einem großen, gefühlvollen Entertainer. Alles, was Menschen anrührt, wird auf den Plan gerufen. Liebe, Freundschaft, Leidenschaft und Zuversicht. Letztere nimmt einen besondern Platz sicher nicht nur in meinem Herzen ein. Als Roland Kaiser sein gleichnamiges Lied anstimmt und auf der Leinwand verschiedenste Gesichter quer durch unsere Gesellschaft in Nahaufnahme gezeigt werden (mein Video dazu gibt es bei Instagram), füllt sich die Halle mit einer Mischung aus Demut, Hoffnung und eben Zuversicht, die sich im Licht von hunderten Handytaschenlampen in feuchten Augen spiegelt. Noch ganz beseelt von dieser Atmosphäre versteht es der Künstler im zweiten Teil – mit frischem Anzug, den man nur am andersfarbigen Zusammenspiel von Einstecktuch und Innenfutter erkennt – mit Titeln wie JOANA und WARUM HAST DU NICHT NEIN GESAGT sein generationsübergreifendes Publikum zum Mitsingen und Tanzen zu bringen. Von meinem Platz kann ich den ausverkauften Innenraum beobachten und ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele lachende Gesichter und beschwingte Gestalten beobachten durfte. Danke, Kaiser!

Weil es so schön war – hier der Text von ZUVERSICHT (© Roland Kaiser):

Wir sind alle auf der Suche
Manchmal finden wir es nicht
Das Glück, die große Freiheit
Die Liebe und das Licht
Wir seh’n nicht die gleichen Ziele
Wir seh’n nur die andre Sicht
Jeder ist mal würend
Jeder hat mal Angst
Wir haben so viel gemeinsam
Gemeinsam eine Chance
Zu wertvoll dieses Leben
Um sich im Wahnsinn zu verlier’n

Schau mir bittе ins Gesicht
Ich will sehen, was dahintеr ist
Hinter all dem Hass und den Paroden
Was hat dir dein Herz gestohlen? Komm zurück zu dir
Schrei mich bitte nicht so an
Will dir begegnen und dir zuhör’n
Das alles brauchst du nicht
Ich borge dir ein Licht und meine Zuversicht

Unsere Welt ist kostbar
Jeder Mensch ist gut
In jedem wohnt die Liebe
Hinter all der Wut
Lass uns aufeinander zugeh’n
Komm, wir fangen an

Schau mir bitte ins Gesicht
Ich will sehen, was dahinter ist
Hinter all dem Hass und den Paroden
Was hat dir dein Herz gestohlen? Komm zurück zu dir
Schrei mich bitte nicht so an
Will dir begegnen und dir zuhör’n
Das alles brauchst du nicht
Ich borge dir ein Licht und meine Zuversicht