Rolando Villazón (c) Wolfgang Lienbacher

Es gibt Geschichten, die sich weigern, abgeschlossen zu werden. Der Himmel über Berlin ist eine davon. Ein Film aus dem Jahr 1987, der nie nur erzählt hat, sondern lauschte: auf die Stadt, auf das Unsagbare zwischen den Menschen, auf jene dünne Schicht, in der Sehnsucht nicht mehr Gefühl ist, sondern Zustand.

Nun wandert dieser Stoff weiter. Nicht in eine neue Zeit, sondern in eine neue Körperlichkeit: Klang.

Die Oper Dortmund kündigt für die Spielzeit 2027/28 eine Uraufführung an, die sich bewusst in die Nähe eines Grenzgangs begibt. Wim Wenders’ Film wird Oper – nicht als Übersetzung, sondern als Verdichtung. Das Unsichtbare bekommt einen festen Platz – Musik wird im wahrsten Wortsinn zur Instrumentalisierung.

Im Zentrum dieser Bewegung steht eine Stimme, die selbst längst zu einer eigenen Erzählform geworden ist: Rolando Villazón.

Sein Name trägt eine andere Temperatur in dieses Projekt. Nicht die Distanz des Konzerts, nicht die Sicherheit des Repertoires, sondern die Unruhe eines Künstlers, der das  immer wieder bereit ist, etwas zu wagen. Villazón ist kein Interpretenkörper im klassischen Sinn, sondern eine Figur, die sich selbst mit auf die Bühne stellt – mit Brüchen, Übermut, Überzeichnung, Verletzlichkeit. Genau darin liegt seine Funktion in diesem Werk. Er ist nicht reine Besetzung, er ist Brennpunkt.

An seiner Seite entsteht die musikalische Architektur durch Elena Kats-Chernin, deren Kompositionen sich selten mit Eindeutigkeiten begnügen. Ihre Musik kennt keine glatte Oberfläche; sie arbeitet mit Rissen, mit Reibung, mit überraschenden Öffnungen. Das Libretto schreibt Martin G. Berger, der zugleich Regie führen wird – ein Autor im doppelten Sinn, der Text und Raum nicht trennt, sondern ineinander verschiebt.

Dass dieses Ensemble überhaupt zusammenfindet, hat auch mit einer selten gewordenen Form von Ermöglichung zu tun. Die Wilo-Foundation trägt den Kompositionsauftrag und das Notenmaterial, der Fonds Neues Musiktheater des NRW KULTURsekretariats unterstützt die Produktion. 

So entsteht ein Projekt, das sich nicht mit dem Begriff „Adaption“ begnügt. Denn was hier verhandelt wird, ist weniger die Übertragung eines berühmten Films als die Frage, was passiert, wenn eine Ikone des Kinos in die Verletzlichkeit der Stimme überführt wird.

Villazón steht dabei an einer Schwelle, die er selbst immer wieder gesucht hat: zwischen Überhöhung und Sturz, zwischen Opernfigur und Mensch, zwischen Klang und Atem. Eine Gratwanderung, auf die das Publikum gewartet hat.

Der Film hat Engel gezeigt, die nicht eingreifen. Die Oper wird genau diesen eine Stimme geben.

Wenn sich ab dem 14. Mai 2028 dieser Himmel zeigt, kehrt er  nicht nur als Bild zurück, sondern als etwas, das sich im Moment des Klangs neu sortiert.

 

 

Der Himmel über Berlin

Wim Wenders hat seine Filme nie als geschlossene Systeme verstanden, eher als offene Räume, die weiterarbeiten, sobald sie die Leinwand verlassen. Überträgt man diese Haltung auf die Oper, verschiebt sich die Frage: nicht, ob das Werk „getroffen“ wird, sondern ob es seinen Zustand des Offenen bewahren kann – ob etwas von diesem fragilen Schwebezustand zwischen Blick und Welt erhalten bleibt, wenn er in Klang, Körper und Bühne übergeht. (Foto: Wim Wenders © Peter Lindbergh 2015)

Details und Termine
Der Himmel über Berlin
Eine Oper in 2 Akten nach Wim Wenders’ gleichnamigem Film
Musik Elena Kats-Chernin
Libretto und Regie Martin G. Berger
Mit Rolando Villazón (u. a.) in einer zentralen Partie in allen 6 Vorstellungen
Uraufführung: 14. Mai 2028 im Opernhaus Dortmund
Eine Produktion der Oper Dortmund
Gefördert durch die Wilo-Foundation und den Fonds Neues Musiktheater des NRW KULTURsekretariats

Weitere Informationen unter:

www.theaterdo.de