Unter der Lupe: „Wassertaxi“ von Remedios Varo

Irgendwie passend - Corona und Varos WASSERTAXI

(aufgenommen während der Ausstellung FANTASTISCHE FRAUEN - Schirn, Frankfurt)

Remedios Varo war eine spanische surrealistische Malerin. Ihre Werke zeichnen sich durch Vielseitigkeit und Präzision aus. Bewegt von Themen wie Übernatürlichem und Alchemie brachte sie Realität und Fiktion zusammen und garnierte ihre Werke oft mit feinfühlig scheinenden Frauen. Nicht umsonst hielt die Spanierin jüngst Einzug in die Ausstellung FANTATISCHE FRAUEN in der Frankfurter Kunsthalle, der Schirn. 

Varos Werk WASSERTAXI nimmt in den Köpfen der Betrachter aktuell einen besondern Platz ein. Denn wer denkt beim Eintauchen in das Gemälde nicht an die aktuelle Lage in Zeiten der Coronapandemie?

Remedios Varo nahm damals, das Bild entstand 1962, wohl keine direkte virale Bedrohung zum Anlass, um die Nutzerin des Wassertaxis maskiert darzustellen. Aber ausschließen lässt es sich natürlich nicht. Varos Lebensweg betrachtend lässt sich die Maskerade eher mit ihrer Flucht aus Paris über Marseille nach Mexiko erklären. Hierher hatte sie sich vor den Nazis in Sicherheit gebracht. 

Doch welche Fantasien setzt Varos WASSERTAXI mitten in der Coronakrise frei? Optimisten werden wohl eine genesene Frau erkennen, die von einem resistenten „Taxifahrer“ zurück in die Welt außerhalb der Quarantäne gebracht wird. Dort angekommen könnte sie sich der Maskerade entledigen und in beschränkter Freiheit leben. 

Das Gegenteil wäre beim Schwarzseher der Fall: Er wird eine vom Virus gezeichnete Frau erkennen, die vom WASSERTAXI selbstverständlich in die Katakomben der Quarantäne gestrampelt wird.

Und als was hätten Betrachter das Bild gesehen, wenn Corona momentan kein Thema wäre? Höchstwahrscheinlich als das, was es ist: ein großartiges Kunstwerk mit jeder Menge Raum für Interpretation, getrieben von einer feinfühligen Melancholie, die sich aufmacht in eine spannende neue Welt. 

©kvd-abc

Remedios Varo (1908 – 1963) ist eine spanische Malerin. Sie gehört zum Kreis der Surrealisten und wird meist zusammen mit André Breton, Max Ernst und Leonora Carrington genannt. Ihre Werke gehören zum nationalen Kulturgut Mexikos. Sie war drei Mal verheiratet. Wobei ein Trauschein mit ihrem dritten Mann, Walter Grün, nicht gefunden werden konnte. Daher blieben die Werke nach ihrem Tod in mexikanischer Hand.

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