Roman noir: NUR DIE TIERE von Colin Niel

Oder: Die Macht der Einsamkeit

So facettenreich die Landschaft im französischen Zentralmassiv so der Umgang seiner Bewohner mit Einsamkeit und Liebe. Colin Niel packt sie beim Schopf und lässt seine Figuren den Schrecken der Wahrheit spüren ohne konkret zu werden – zunächst. 

Eine Frau verschwindet spurlos in einem kleinen Städtchen und es finden sich mehrere Personen, die davon profitiert haben. Ehemann, Freundin, Schulfreund, Feind und vielleicht sogar die Polizei. Colin Niel ruft sie alle auf den Plan und wiegt seine Leser in vermeintlicher Sicherheit, dem wahren Täter auf der Spur zu sein. Ob die Hobbydetektive zufriedengestellt werden?

Nicht umsonst wird NUR DIE TIERE in der Kategorie Roman noir gehandelt. Nicht gruselig, aber bedrückend. Er macht nachdenklich und der Leser muss sich Fragen gefallen lassen, die er sich im Laufe der Handlung selber stellt. Er wird konfrontiert mit der eigenen Einsamkeit und wie oder durch was bzw. wen sie erträglicher werden könnte. 

Colin Niel schafft ein Konstrukt aus Liebe, Natur, Geheimnissen und allzu menschlichen Missverständnissen, die am Ende so glasklar über alle Zweifel erhaben sind. 

Unser Fazit: Ein Krimi über den kleinen Kosmos Einzelner und seinen Zusammenhang mit dem großen Ganzen. Wunderbar düster erzählt von einem Autor, der die Macht des Zufalls diesem keinesfalls überlässt. Noir eben …

Zur Handlung:

Évelyne Ducat verschwindet eines Tages spurlos, und das Städtchen im französischen Zentralmassiv rätselt. Es kursieren Gerüchte und Beobachtungen. Doch nicht alles wird der Polizei preisgegeben, denn hier in der abgeschiedenen Bergwelt hüten die Menschen ihre Geheimnisse. Die Sozialarbeiterin Alice hat ein Geheimnis mit ihrem Klienten Joseph, dem einsamen Schafzüchter. Und der verhält sich nach dem Verschwinden der Frau merkwürdig. Und in welcher Beziehung stand die Verschwundene zu der jungen Maribé, die eines Tages im Städtchen auftauchte und alle Blicke auf sich zog? Mit jedem Kapitel erhält eine andere Person das Wort, und ein neues Geheimnis, ein neuer Verdacht taucht auf, bis sich das Puzzle um Évelyne Ducats Verschwinden zusammenfügt.

Colin Niels preisgekrönter Roman noir ist mehr als ein raffiniert konstruierter Krimi: Er gibt ebenso fesselnd Einblick in prekäre soziale Milieus und erzählt von der verzweifelten Suche nach Liebe.

Colin Niel (Quelle: Lenos.ch)

Colin Niel, geboren 1976 in Clamart, ist eine der grossen Stimmen des französischen Roman noir. Nach einem Studium der Evolutionsbiologie und Ökologie arbeitete er zunächst als Agrar- und Forstingenieur im Bereich Biodiversität, u.a. mehrere Jahre in Französisch-Guayana. Mit einer vierteiligen guayanischen Serie, die vielfach ausgezeichnet wurde, gelang ihm der Durchbruch als Autor. 2017 erhielt er für Seules les bêtes u.a. den Prix Landerneau Polar und den Prix Polar en séries. Heute lebt Colin Niel als Schriftsteller in Marseille.

Colin Niel
Nur die Tiere

Roman

Aus dem Französischen von Anne Thomas

 

LP 227

Paperback
ISBN 978-3-85787-827-5
Seiten 286
Erschienen 5. Juli 2021

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