Roncalli meets Schlager ©Jan-C./semmelconcerts

Bernhard Paul bringt seinen Zirkus dorthin, wo eigentlich Musicals und Shows zuhause sind. Vom 1. bis 20. September 2026 verwandelt sich das Metronom Theater Oberhausen für die Weltpremiere von „Circus meets Schlager“ in eine echte Manege. Mit dabei: internationale Spitzenartistik, großes Orchester, Ella Endlich – und die besondere Roncalli-Magie, die seit 50 Jahren beweist, dass Nostalgie erstaunlich modern sein kann.

Manche Ideen klingen im ersten Moment ein bisschen verrückt.

Zirkus trifft Schlager. Roncalli zieht ins Metronom Theater. Eine Manege entsteht dort, wo normalerweise Zuschauerreihen auf eine klassische Theaterbühne blicken. Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum diese Idee so gut zu Bernhard Paul passt.

Seit einem halben Jahrhundert macht der Gründer und Direktor des Circus-Theater Roncalli schließlich etwas, das viel schwieriger ist, als es aussieht: Er bewahrt eine Welt, ohne sie im Gestern einzuschließen.

Roncalli ist nostalgisch, ohne altmodisch zu sein. Poetisch, ohne sich vor der Gegenwart zu verstecken. Und immer dann besonders stark, wenn Paul vermeintliche Gegensätze zusammenbringt. Im September kommt nun ein weiterer hinzu.

Das METRONOM Theater setzt auf Vielseitigkeit

Für „Circus meets Schlager“ verändert das Metronom Theater Oberhausen sein Gesicht. Die wandelbare Bestuhlung macht erstmals Platz für eine Zirkusmanege. Aus dem klassischen Theaterraum wird damit zunächst für drei Wochen ein Ort, an dem alles möglich zu sein scheint.  Das ist weit mehr als eine technische Spielerei. In insgesamt sechs Wochen soll es dem Team unter der Leitung von Nils Lunow gelingen, eine rund 12 Meter große Manege zu bauen. In Zukunft kann dann zwischen einer Parkettebene und einem ansteigenden Zuschauerraum gewechselt werden. „Das lässt sich in einer Nacht verändern“, erzählt Nils Lunow bei einer ersten Besichtigung. Künftig sind neben der klassischen Bühne auch Zirkusproduktionen, Dinnershows, Kongresse und Tanzveranstaltungen möglich.

Zirkus braucht Nähe

Zirkus funktioniert anders als Theater. Er braucht Nähe. Er lebt davon, dass das Publikum den Atem anhält, wenn über den Köpfen geflogen, balanciert oder scheinbar jede Regel der Schwerkraft außer Kraft gesetzt wird.

Dass ausgerechnet das Metronom Theater dafür seine gewohnte Ordnung verändert, ist deshalb ein schönes Bild für das, was derzeit überhaupt in diesem Haus passiert: Es wird wieder ausprobiert. Verwandelt. Neu gedacht.

Bernhard Paul und die Kunst, sich treu zu bleiben

Dass diese Weltpremiere ausgerechnet 2026 stattfindet, ist kein Zufall. Das Circus-Theater Roncalli feiert sein 50-jähriges Bestehen. Fünf Jahrzehnte Zirkusgeschichte sind dabei vor allem fünf Jahrzehnte Bernhard Paul.

1976 gründete er Roncalli und entwickelte daraus eine ganz eigene Vorstellung von Zirkus. Eine, die weniger vom Spektakel lebt als von Atmosphäre, Bildern, Musik, Kostümen, Licht und diesem magischen Gefühl, für ein paar Stunden in eine andere Welt zu entgleisen.

Bernhard Paul hat verstanden, dass Tradition nur dann eine Zukunft hat, wenn sie sich bewegen darf. „Circus meets Schlager“ folgt diesem Prinzip ziemlich konsequent. Zwei Unterhaltungswelten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, werden nicht einfach nebeneinandergestellt. Sie sollen miteinander verschmelzen. Beide leben von Emotionen. Von Melodien und Bildern, die unmittelbar funktionieren. Von Erinnerungen. Von ein bisschen Sehnsucht. Und manchmal auch von der herrlichen Bereitschaft, sich für einen Abend einfach fallen zu lassen.

Ella Endlich zwischen Manege und großen Melodien

Musikalisches Gesicht der Weltpremiere ist Ella Endlich. Die Sängerin bringt dabei nicht nur ihre Stimme mit, sondern auch ihre tänzerische Erfahrung und Bühnenpräsenz. Selbstverständlich gehört ihr wohl bekanntester Titel zum Abend: „Küss mich, halt mich, lieb mich“ wird eigens für die Produktion in einer besonderen Version zu erleben sein.

Das internationale Ensemble bringt Luftartistik, Partnerakrobatik, Rollschuhkunst, Balance, Zauberei, Quick Change und Diabolo in die Oberhausener Manege. Olga Boiko schwebt am Luftring, das Duo Turkeev arbeitet an den Strapaten, die Skating Nistorovs sorgen für Tempo und Maverick Niemen für Balance auf der Rola Bola.

Für nervenaufreibendes Kribbeln sorgen The Gerlings. Ihr Arbeitsplatz ist das spektakuläre Todesrad. Dazu kommen die Zauberkunst von Rodrigo Tolzen, die Quick-Change-Illusionen des Duo Minasov, Michaël Betrian am Diabolo sowie die Clownerie von Gabriella Argento und Claudio Carneiro.

Das Roncalli Ballett und das Roncalli Royal Orchestra unter der musikalischen Leitung von Georg Pommer machen aus den einzelnen Nummern schließlich eine große Inszenierung. 

Drei Wochen Ausnahmezustand im Metronom

Vom 1. bis 20. September 2026 gehört das Metronom Theater damit Roncalli. Und vielleicht ist gerade die zeitliche Begrenzung Teil des Reizes. Denn nach drei Wochen ist diese Manege wieder verschwunden.

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Produktion, die ihre Weltpremiere in Oberhausen erlebt hat – und an ein Theater, das dafür bereit war, mit der Zeit zu gehen und alte Pfade zu verlassen.

Dass hinter dem Projekt außerdem eine bereits 22 Jahre währende Zusammenarbeit zwischen Semmel Concerts und Roncalli steht, macht deutlich, dass hier nicht zwei Partner für einen schnellen Effekt zusammengebracht sondern ein mutiges Team gemeinsam etwas Neues wagt. 

Und vielleicht ist „wagen“ hier genau das richtige Wort. Denn natürlich kann man darüber diskutieren, ob Zirkus und Schlager zusammengehören. Man kann aber auch einfach hingehen, sich in einen Theatersessel setzen und Zirkusluft schnuppern. Mitsingen, wenn eine längst vertraute Melodie auftaucht und sich für zwei Stunden darauf einlassen, wie facettenreich Unterhaltung sein kann.

Vorhang auf und Manege frei im METRONOM Theater Oberhausen!

 

Tiere verschwinden – der Zauber bleibt

Vielleicht zeigt keine Entscheidung Bernhard Pauls deutlicher, was er unter einem modernen Circus versteht, als der Abschied von den Tieren. Schon seit Anfang der 1990er-Jahre verzichtete Roncalli auf Wildtiere, 2017 waren letztmals Pferde Teil des Programms. Seit 2018 ist das Circus-Theater vollständig tierfrei. Paul begründete diesen Schritt nicht nur mit einem veränderten gesellschaftlichen Bewusstsein, sondern auch ganz praktisch: Tiere über Autobahnen, durch Staus und von Gastspielort zu Gastspielort zu transportieren, sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. 

Doch Paul wäre nicht Paul, hätte er die Tiere einfach verschwinden lassen. Stattdessen ließ er sie als Illusion in die Manege zurückkehren. Elefanten, Pferde oder Goldfische erschienen plötzlich überlebensgroß als dreidimensional wirkende Projektionen. Mit mehreren Projektoren und einer nahezu rund um die Manege reichenden Projektionsfläche entstanden jene Bilder, die schnell als Roncallis Tier-Hologramme bekannt wurden: Ein Elefant kann mitten in der Manege auftauchen – und sich Sekunden später wieder in Licht auflösen. Die Idee dazu kam Paul nach eigenen Angaben ausgerechnet aus der Popwelt, als er von Plänen hörte, den verstorbenen Prince beim Super Bowl mittels Hologrammtechnik auf die Bühne zurückzuholen. 

Beim Publikum funktionierte der ungewöhnliche Ersatz. Bei der Hamburger Premiere wurde Pauls Ankündigung des tierfreien Circus mit lautem Applaus aufgenommen, und die virtuellen Tiere entwickelten sich weit über die Manege hinaus zum Gesprächsthema. Vor allem aber bekam Roncalli dafür Anerkennung von einer Seite, die dem klassischen Tiercircus traditionell kritisch gegenübersteht: Tierschutzorganisationen begrüßten den Schritt ausdrücklich. Der Deutsche Tierschutzbund sprach davon, dass die Hologramme neue Maßstäbe in der Zirkuswelt setzten.

Hereinspaziert!

Das Metronom Theater zeigt seine Zirkustauglichkeit mit einem glanzvollen Gastspiel zum 50-jährigen Jubiläum: ZIRKUS RONCALLI (Bernhard Paul & Ella Endlich ©Volker Neumüller). Klick zu den Tickets ...